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Die Weihnachtskrippe: Geschichte, Stile und wie man Krippenfiguren gut aufbewahrt

· von Chiara Pedrazzini

Bei meiner Nonna in Bellinzona stand die Krippe jedes Jahr auf der Kommode im Flur. Ein Stall aus Rinde, Moos aus dem Wald, ein kleiner Spiegel als See und Figuren, die über Jahrzehnte zusammengekommen waren: ein Hirte aus Holz, ein Esel aus Gips mit abgebrochenem Ohr, Schafe aus drei verschiedenen Jahrzehnten. Niemand hätte ein Stück davon weggegeben. Krippen sind für viele Familien genau das: eine kleine Sammlung voller Erinnerungen, die jedes Jahr ein bisschen wächst. In diesem Beitrag schauen wir uns an, woher die Tradition kommt, welche Stile es gibt und wie man die Figuren so aufbewahrt, dass sie noch die nächste Generation erfreuen.

Woher kommt die Krippe?

Die Darstellung der Geburt Jesu im Stall ist eine sehr alte Tradition. Oft wird sie mit Franz von Assisi in Verbindung gebracht, der im 13. Jahrhundert in Greccio eine lebendige Krippe mit Ochs und Esel inszeniert haben soll. Später verbreiteten sich Krippen aus Holz, Ton und Wachs zuerst in Kirchen und Klöstern, dann auch in den Wohnzimmern. Einen guten Überblick über Geschichte und regionale Formen bietet der Wikipedia-Artikel zur Weihnachtskrippe.

In der Schweiz ist die Krippe vor allem in katholischen Regionen tief verwurzelt, im Tessin genauso wie in der Innerschweiz oder im Wallis. Aber auch in vielen anderen Familien gehört sie längst zur Adventszeit, ganz unabhängig davon, wie religiös man ist. Für viele ist sie einfach ein Stück Kindheit.

Welche Krippenstile gibt es?

Wer anfängt, sich für Krippen zu interessieren, merkt schnell, wie gross die Vielfalt ist.

Geschnitzte Holzkrippen sind der Klassiker im Alpenraum. Berühmt sind etwa die Schnitzereien aus dem Grödnertal in Südtirol, aber auch in der Schweiz gibt es Schnitzerinnen und Schnitzer, etwa im Berner Oberland. Holzfiguren können naturbelassen, gebeizt oder bemalt sein.

Neapolitanische Krippen sind das Gegenteil von schlicht. Sie zeigen nicht nur die Heilige Familie, sondern ein ganzes Dorf mit Marktständen, Handwerkern, Tavernen und unzähligen Details. Die Figuren haben oft Köpfe aus Terrakotta und Kleider aus echtem Stoff.

Orientalische Krippen stellen die Szene in einer Landschaft mit Palmen, Lehmhäusern und Kamelen dar, näher an der damaligen Umgebung.

Moderne und minimalistische Krippen reduzieren die Figuren auf einfache Formen, zum Beispiel aus hellem Holz, Keramik oder Filz. Sie passen gut in zeitgemässe Wohnungen und sind bei Kindern beliebt, weil sie robust sind.

Papierkrippen sind fast vergessen, aber wunderschön. Früher wurden sie als Ausschneidebogen verkauft und zu Hause gebastelt. Auf Flohmärkten findet man manchmal noch alte Exemplare.

Die eigene Krippe aufbauen

Eine Krippe muss nicht auf einmal komplett sein. Viele Familien beginnen mit der Heiligen Familie, einem Stall und vielleicht Ochs und Esel. Jedes Jahr kommt dann eine Figur dazu: ein Hirte, ein paar Schafe, ein Engel, die drei Könige. So wird die Krippe zu einer Sammlung mit Geschichte. Wer Kinder hat, kann sie jedes Jahr eine neue Figur aussuchen lassen.

Ein paar Tipps für den Aufbau:

  • Den richtigen Platz wählen. Eine stabile Kommode oder ein Sideboard ist ideal, nicht zu nah an der Heizung und ausser Reichweite von neugierigen Katzen.
  • Mit Naturmaterialien arbeiten. Moos, Rinde, kleine Äste, Steine und Sand machen aus einer einfachen Krippe eine kleine Landschaft. Moos sollten Sie nur dort sammeln, wo es erlaubt ist, oder im Bastelgeschäft kaufen.
  • Die Geschichte erzählen lassen. In vielen Familien wandern die Könige im Advent langsam durch die Wohnung und kommen erst am 6. Januar beim Stall an. Das Jesuskind wird traditionell erst an Heiligabend in die Krippe gelegt.
  • Beleuchtung mit Bedacht. Eine kleine LED-Lampe im Stall sieht wunderschön aus und ist viel sicherer als eine echte Kerze zwischen trockenem Moos und Holz.

Krippenfiguren richtig aufbewahren

Nach dem Dreikönigstag wandert die Krippe für elf Monate in den Keller oder auf den Estrich. Genau dort entstehen die meisten Schäden: Figuren zerbrechen, Farbe blättert ab, Holz wird feucht oder von Schädlingen befallen. Ein paar einfache Regeln helfen:

  1. Reinigen vor dem Einpacken. Staub mit einem weichen Pinsel entfernen. Holz und bemalte Figuren nicht nass reinigen.
  2. Einzeln einwickeln. Jede Figur in säurefreies Seidenpapier oder ein weiches Baumwolltuch wickeln. Zeitungspapier kann abfärben.
  3. Feste Schachteln verwenden. Am besten eine stabile Box mit Unterteilungen, zum Beispiel eine Weinkiste mit Kartonstreifen. Schwere Figuren gehören nach unten.
  4. Trocken und temperaturstabil lagern. Feuchte Keller und heisse Estriche sind für Holz, Gips und Wachs gleichermassen schlecht. Ein Schrank in der Wohnung ist oft der bessere Ort.
  5. Moos und Naturmaterial nicht mit einpacken. Es kann schimmeln oder Insekten anziehen. Lieber jedes Jahr frisch besorgen.
  6. Beschriften. Ein Zettel mit dem Inhalt der Schachtel erspart im nächsten Advent viel Sucherei.

Wie man Sammelfiguren generell pflegt und schön präsentiert, habe ich übrigens in einem eigenen Beitrag zu Sammelfiguren beschrieben.

Kleine Reparaturen

Ein abgebrochenes Ohr, ein fehlender Hirtenstab, ein Riss im Stalldach: Vieles lässt sich mit etwas Geduld selbst reparieren. Für Holz eignet sich Holzleim, für Keramik und Gips ein farbloser Zweikomponentenkleber. Bei wertvollen oder sehr alten Figuren lohnt sich der Gang zu einer Restauratorin oder einem Restaurator, damit nicht mit falschem Kleber oder Farbe mehr Schaden als Nutzen entsteht. Und manchmal darf eine Figur auch einfach ihre Geschichte zeigen, so wie der Esel meiner Nonna mit seinem halben Ohr.

Eine Tradition, die wächst

Das Schöne an einer Krippe ist, dass sie nie fertig ist. Jede Figur erzählt von einem Jahr, einem Flohmarktfund, einem Geschenk oder einem Ferienort. Wer sie sorgfältig aufbewahrt, gibt mit ihr mehr weiter als ein paar Holz- oder Gipsfiguren: ein Stück Familiengeschichte, das jeden Dezember wieder auftaucht. Passend dazu finden Sie in unserem Beitrag zur natürlichen Weihnachtsdeko Ideen, wie die Krippe mit Holz und Tannengrün zum Mittelpunkt der Adventsdekoration wird.