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Gartenzwerge: Geschichte, Kitsch und Comeback einer Kultfigur
Kaum eine Figur polarisiert so sehr wie der Gartenzwerg. Für die einen ist er der Inbegriff von Spiessigkeit, für die anderen ein liebenswerter Begleiter, der seit Jahrzehnten treu zwischen Geranien und Tomaten steht. Grund genug, sich den kleinen Mann mit der roten Zipfelmütze einmal genauer anzuschauen.
Ein Blick zurück
Die Wurzeln des Gartenzwergs reichen weit zurück. Schon in Barockgärten standen steinerne Zwergenfiguren, damals ein Zeichen von Reichtum und Humor. Die bekannten Figuren aus Terrakotta mit Zipfelmütze, Bart und Schubkarre entstanden im 19. Jahrhundert in Thüringen. Von dort eroberten sie die Gärten Europas.
In der Sagenwelt sind Zwerge fleissige Helfer, die unter der Erde nach Schätzen graben und Haus und Hof beschützen. Genau diese Rolle sollte der Gartenzwerg übernehmen: ein kleiner Wächter, der Glück bringt.
Vom Statussymbol zum Kitsch
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Gartenzwerge in grossen Mengen aus Kunststoff produziert. Damit wurden sie günstig und allgegenwärtig, und genau das machte sie für viele zum Symbol für Kleinbürgerlichkeit. Witze über Gartenzwerge gehörten bald zum Standardrepertoire.
Das Comeback
Heute erleben die Zwerge eine kleine Renaissance. Designer interpretieren sie neu, in matten Farben, als Skulptur aus Beton oder augenzwinkernd mit Sonnenbrille. Auf Balkonen in Städten stehen sie neben Kräutertöpfen, und manche Sammler besitzen Hunderte Exemplare. Der Charme liegt in der Ironie, aber auch in der Nostalgie: Viele erinnern sich an den Zwerg im Garten der Grosseltern.
Woran man gute Figuren erkennt
Wer Gartenzwerge sammelt oder einen besonders schönen kaufen möchte, achtet auf:
- Material: Terrakotta und Keramik altern schöner als Kunststoff, sind aber frostempfindlich.
- Bemalung: Handbemalte Figuren haben feinere Details und kleine Unregelmässigkeiten.
- Herkunft: Ältere Figuren aus Thüringen sind bei Sammlern besonders gefragt.
- Zustand: Abgeplatzte Farbe senkt den Wert, ein bisschen Patina darf sein.
Pflege durch den Winter
Figuren aus Ton und Keramik sollten im Winter ins Haus oder in die Garage. Wasser, das in feine Risse eindringt, gefriert und sprengt die Oberfläche. Kunststoffzwerge dürfen draussen bleiben, freuen sich aber über eine Reinigung mit lauwarmem Wasser im Frühling.
Zwerge mit Humor
Am schönsten sind Gartenzwerge, wenn sie eine Geschichte erzählen: ein Zwerg, der angelt, einer, der in der Hängematte liegt, oder einer, der frech die Zunge herausstreckt. Platzieren Sie Ihren Zwerg dort, wo man ihn nicht sofort erwartet, unter einem Busch, hinter einem Stein oder neben dem Briefkasten. Er wird Besucher zum Schmunzeln bringen.